
Elysäische Trümmer. W.G. Sebalds Manchester und die Poetik des Verfalls
Synopsis
Der Aufsatz untersucht W. G. Sebalds literarische Darstellung Manchesters als Topographie der Erinnerung und als Schauplatz einer poetologischen Reflexion über Verfall, Exil und Gedächtnis. Ausgangspunkt sind Sebalds eigene Zeit in der nordenglischen Stadt Manchester (1966–1968, 1969/70) sowie das einschlägige Archivmaterial im Deutschen Literaturarchiv Marbach, das unter anderem Sebalds Auseinandersetzung mit Elias Canetti, Ernst Bloch und Walter Benjamin dokumentiert. Anhand der Manchester-Passagen in Die Ausgewanderten wird gezeigt, wie Sebald industrielle Ruinen als Träger einer kollektiven Erinnerung auffasst und die Stadt als braches, „elysäische[s]“ Gefilde poetisch neu kartiert. Der Beitrag verbindet literaturtopographische, intertextuelle und poetologische Perspektiven und versteht Sebalds Manchester als einen Grenzraum, in dem Dokument und Fiktion, Vergangenes und Gegenwärtiges, Hoffnung und Zerstörung unauflöslich ineinander übergehen.



