
Deutschlandbilder in der polnischen Literatur: Wie literarische Narrative gesellschaftliche Konflikte verstärken
Synopsis
Diese Analyse untersucht die Funktion von Literatur als Medium der Konfliktperpetuierung in osteuropäischen Post-Konfliktgesellschaften anhand der Darstellung Deutschlands in der polnischen Literatur seit 2010. Ausgehend von der Annahme, dass Literatur als „subversives Medium“ wirkt, das sich direkter Kontrolle entzieht und individuelle Reflexionsprozesse aktiviert, zeigt die Analyse, wie historische Traumata in narrativen Strukturen fortgeschrieben und ja sogar gesellschaftliche Ressentiments stabilisiert werden. Die überwiegend negative Darstellung Deutschlands fungiert dabei nicht nur als Reproduktion tradierter Feindbilder, sondern auch als Mittel identitärer Selbstvergewisserung durch Abgrenzung. Zentral ist die „Einsamkeit der Lektüre“, in der Leserinnen und Leser Vorurteile und affektive Muster ungefiltert internalisieren können, was die emotionale Europäisierung und gesellschaftliche Integration erschwert. Da nur wenige Werke alternative, entlastende Deutschlandbilder entwickeln, dominieren konfliktbelastete Narrative, die intergenerationale Traumatisierung begünstigen. Methodisch verbindet die Studie diskursanalytische Zugänge mit komparatistischer Textanalyse, um typische Muster der Konfliktbearbeitung und ihre gesellschaftlichen Wirkungen sichtbar zu machen.



