
Georg Trakl, Sarah Kirsch & Co. Eigencodierung vs. Konventionelles Diskursverstehen
Synopsis
Für die Themen und Formen der Lyrik – der vielleicht sensibelsten Gattung des gesamten Literaturbetriebs – findet sich in der so genannten Auslandsgermanistik kaum mehr ein Platz. Es gibt dafür (auch gute) Gründe und doch wären gerade die Bedeutungsreservoirs von Gedichten, die ihren Leserinnen und Lesern oft extrem weite Spielräume eröffnen, durchaus geeignet, eine kritische Auseinandersetzung mit der (gelernten, geübten, eindressierten) Alltags-Sprache zu befördern, eine Distanz dazu zu sichern, wie sie zu ihrer Zeit schon z. B. Karl Kraus, Ludwig Wittgenstein oder Philip Roth gefordert haben. Die zentrale Aufgabe der Kunst, schreibt der österreichische Lyriker Christoph W. Aigner, sei es immer schon gewesen, „Gegenstände von großem Charme und Zauber“ hervorzubringen; und derartige Dinge, die unter Umständen über Jahrtausende „alle möglichen Mächte samt ihren ideologischen oder moralischen Alleinvertretungsansprüchen“ überdauert haben, fügt er hinzu, „ergreifen uns noch immer“. Die Kunst ist deshalb, in seinem Verständnis, und hierin trifft er sich mit Jan Skácel wie etwa auch mit Sarah Kirsch, falsch beraten, wenn sie mit der Rolle, sich in den Alltagslärm zu mischen, sich begnügt. Kann sie doch auch zur Rückwendung der Leserin / des Lesers auf die eigene Existenz führen. Jedenfalls, sofern der Unterricht nicht das Verständnis der Texte stört oder ganz blockiert, wie dies ein Kulturjournalismus gerne forciert, der es vorzieht, statt den mehrdeutigen Spuren in ihren Texten zu folgen in den Privatsphären von Autorinnen und Autoren zu schnüffeln.



