Der Verfasser berucksichtigt zuerst die literarische Kritik über Kranjčević bis zum Jahre 1948 und stellt fest, dass diese Kritik keine Ergebnisse inbezug auf Kranjčević’ dichterisches Werk erzielt habe, und dass man aus ihr zu viel von den Verhaltnissen, in denen der Dichter gelebt hat, und zu wenig von seinen Gedichten erfahren habe. Man hat 1948 anlasslich von Kranjčević’ 40. Todestag infolge der Anwendung der marxistischen Weltanschauung und der soziologischen Methode in der Kritik erwartet, dass diese Kritik auch bedeutende Ergebnisse bringen werde. Die erwarteten Ergebnisse kamen aber nicht zustande, weil die damaligen Kriti- ker den Dichter nach ihrer eigenen Anschauung vom Jahre 1948 beurteilten. Das sieht man deutlich aus der Zeitschrift Republika aus dem Jahre 1948 (Nr. 11 u. 12). Durch die vulgare Anwendung der soziologischen Methode in den Aufsatzen iiber Kranjčević wurde Vladimir Nazor 1948 aufgebracht und hob in seiner Abhandlung »Čitajući Kranjčevića« (Rod JAZU 281) den Gedanken hervor, dass unser Dichter, doch das ware, was er sei, ohne Rucksicht auf die schweren Verhalt- nisse, in denen er gelebt habe, und dass die sogenannten »schweren Verhältnisse« des Raumes und der Zeit, in denen er gelebt habe, nicht die spezifische Kraft seiner Lyrik verursacht hatten, sondern »Fluch und Grosse« des dichterischen Genies, die er in sich getragen habe. Der Verfasser polemisiert über die Thesen von Nazor und ist bemüht zu zeigen, dass die ökonomisch-politisch-sozialen und personlichen Verhaltnisse doch die Eigenart der Lyrik von Kranjčević beeinflusst hätten und dass sie ihn an eine bestimmte Zeit und an einen bestimmten Raum, d. h. an die achtziger und neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Kroatien und Bosnien, in denen er gewirkt hat, gebunden hätten, ohne Rucksicht auf sein dichterisches Genie. Der Verfasser zeigt am Ende seiner Abhandlung, dass die Sprache jener Faktor ist, der Kranjčević auf die zeitlichen und raumlichen Relationen unserer Literatur in den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts festgelegt hat. Sein Genie konnte sich nicht in unserer Literatur, die damals keine gehobene Sprache besass, in seiner Vollkommenheit entwickeln, und deswegen sind oft seine Gedichte der Form nach unvollkommen und ihre Eigenart liegt nicht in tađelloser Schönheit, sondern in der Kraft des Ausdrucks.