Der Verfasser des Aufsatzes analysiert die Formen der realistischen Novelle in der slowenischen Litteratur und kommt zum Schluss, dass zur Zeit des Realismus meistens zwei Formen der Novelle gepflegt wurden. Die erste Form ist eine klassische Art der Novelle mit einem kurzgefassten Inhalt, einer kurzen und kernigen Charakteristik der Personen und mit einer planmassigen Zusammensetzung. Beispiel ,zu einer solchen Novelle gata Fran Levstik mit demMartin Krpan vonVrh im Jahre 1858 und spater wurde sie von v-erschiede- nen Schriftstellern, taesonders von Josip Jurčič gepflegt. Gleichzeitig erschien in den Werken der ehemaligen Mitarbeiter des Handschriftsfolattes Vaje die zweite Form der Novelle, die von den Verfassern »Gesicht« oder >-Bild<- genannt wurde. Fiir diese prosaische Kurzform ist eineVertiefung der Charakteristik, eine psycholo- gische Behandlung der Personen und eine Subjeklivitfit des Erziihlens bezeichnend, die Komposition und der erziitalende Kern wurden aber meist weniger bcachtet. Nath den Mitarbeitern der Vaje wurde das Bild von den I-Iauptvertretern des slowenisohen Realismus (Kersnik, Tavčar) gepflegt. Aus dieser Form hat sich auf einer Seite die feuilletonistische Skizze ohne kiinstlerische Eigenschaften emtwickelt, wahrend das »Bild« in seiner Hauptentwicklungsrichtung zu der Stimmungs- und Lyrikskizze der Moderne und zu den iibrigen Formen der Kurzprosa fuhrte. Der Verfasser macht auf die ahnliche Entwicklung der russischen (Turgenjev) und tsehechischen (Neruda) Literatur des Realismus und auf die gleichlaufenden Erscheinungen in der kroatischen und serbischen Literatur aufmerksam.