Die Weltbedeutung der russischen Literatur

Authors

  • Nikolaj Preobraženski

DOI:

https://doi.org/10.15291/radoviling.3333

Abstract

In Dalmazien kreuzten sich viele internationale Einflüsse und das Land bewahrt alte Spuren der auswärtigen slavischen Beziehungen. Der Festungsturm. Bablja kula oder Torre del Buovo d‘Antona aus dem XIII. Jahrhundert in der Stadt Zadar bleibt ein Beweis der Wanderungen jenes internationalen Romans über Königssohn Buovo, welcher anscheinend schon Ende des XVI. Jahrhunderts zum russischen Volksmärchen wurde. Erst die russische Literatur im Zeitalter der Aufklärung zog ausländische Ansichten der veralteten mittelalterlichen Weltanschauung vor. Die anwachsende Bedeutung, welche Russland in den Jahren Napoleonscher Kriege zukam,  hat zuerst Europas Aufmerksamkeit auf die russische Literatur gelenkt. Es liegt an der Hand, dass auch der jetzige Welterfolg der Sowjetliteratur nach dem Siege über Hitler eine historische Parallele hiezu darstellt.
Schon die ersten Gestalten des russischen psychologischen Romans (Onjegin, Pečorin) überschatteten dank ihrer Vielseitigkeit den engeren und persönlicheren Einfluss Byrons. Die Klassiker des russischen Romans lernten natürlich bei den westlichen Autoritäten. Aber sogar Stendhals Held Julien Sorel (im Romane Le Rouge et le Noir) sieht trotz seiner Begabtheit und brennendem .
Klassenhass keinen Ausweg aus der Sackgasse damaliger Sozialverfassung, Dagegen weist schon Belinski auf, dass Pečorin »für neue Gefühle und Gedanken gereift ist. Die Wirklichkeit bildet den Kern und die Art von diesem Neuen«.
Bereits Puškin, Gogolj und Lermontov bewiesen, dass das russische Schaffen der damals leitenden französischen Prosa nicht nachsteht (Georg Brandes). Bald danach haben Turgenjev, Tolstoi, später Čechov in England und Amerika jenen ersten Platz eingenommen, der bisher Flaubert, Maupassant und Dickens gehörte. Turgenjev, der fast immer im Auslande lebte, hat den Hauptverdienst für die internazionale Anerkennung der russischen Literatur. Er betonte schon auf dem Pariser Schriftstellerkongress im Jahre 1878: »Vor 100 Jahren waren wir eure Schüler, Nun habt ihr uns als gleichberechtigte Kameraden anerkannt.« Die russische Literatur zog immer nicht nur dank ihrer Kunst, sondern auch ihrer allmenschlichen Psychologie an. Das anerkennen alle leitenden Forscher von Melchior de Vogtie (Le Roman russe, 1868) und bis zum Gilbert Phelps (The Russian Novel in English Fiction, 1956). Die heroische Romantik der Sowjetsohrifteteller (von Maxim Gorki als Gründer des sozialistischen Realismus angefangen) setzt diesbezüglich die hohe Überlieferung ihrer Vorgänger fort.

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