Patriotische Hinzufügungen und Auslassungen in der Ubersetzung des im jahre 1835 in der Literaturzeitschrift »Danica ilirska« veröffentlichten herder’schen Kapitels »Slavische völker«

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DOI:

https://doi.org/10.15291/radoviling.2368

Abstract

Das Kapitel »Slavische Völker« aus Herders »Ideen zur Philosophie der Menschheit« ist in ider kroatischen Übersetzung i. J. 1835, au der Zeit, als Ungarn und Österreich Ansprüche auf Kroatien erhoben, in der ersten kroatischen Literaturzeitsohirift »Danica ilinslka« Nr. 33 erschienen. Die Herausgeber beriefen sich darin auf die Behauptung eines Deutschen, wonach sich »mehrere Nationen, am meisten aber die vom deutschen Stamme, an ihnen (den Slawen) hart versündigt haben« und schlugen somit das deutschsprachige Österreich mit der eigenen Waffe. Der Umstand, dass Herder aufklärerisch wirkte, protestantischer Theologe u|nd dazu noch Preusse war, mochte die klerikalen Kreise um Metternich in Wien gereizt haben. Eine eingehende Prüfung der in einem etwas unbeholfenen Kroatisch verfassten Übersetzung zeigt, dass der Übersetzer manches aus dem Herder - sohen Text, das den wachgerufenen Patriotismus seines Volkes hätte kränken können, in seiner Übertragung entweder weggelassen, oder, was dem Patriotismus förderlich war, übertrieben und sogar hinzugefügt hat. Noch zu Anfang unseres Jahrhunderts berief sich Đuro Sunmlin auf die Schrift »jenes grossen Deutschen’ von Europas grösstem Volk«, Da Herder aber der hier als deir grosse Deutsche gemeint war, die Slawen nicht als »grösstes Volk Europas« bezeichnet hat, muss auch diese Bemerkung als patriotische Zugabe des Übersetzers angesehen werden.

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Published

2018-04-17

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