Der vorliegende Aufsatz enthält eine Interpretation der neueren Texte Peter Handkes, die auf zwei Ebenen situiert ist: - Sie verdeutlicht zum einen die Bedeutung mythischer Figuren für Handkes Schrift-, Sprach-, Zeit- und Erzählkonzeplionen, wie sie sich in seinen Interviewäußcrungen und in seinem neueren Erzählwerk nachweisen lassen. Erkennbar wird dabei ein (Text-) Begehren, das Identität in den Formen unmittelbarer Präsenz entwerfen will. Sie erläutert zum anderen den Preis, den die Umsetzung eines solchen Begehrens erfordert: das mythische Muster inszeniert sich in Bildern, die das Erzählen und Schreiben als Herstellung von Sinn, Identität und Präsenz in die Sphäre des Todes verschieben, ohne daß die Texte oder ihr Autor diesen Vorgang bewußt reflektieren. Die Interpretation formuliert deshalb zugleich eine Kritik an den neueren Texten Peter Handkes: problematisch ist nicht so sehr ihr Rückgriff auf mythische Konstellationen, sondern die in ihnen organisierte Verdrängung des Opfers, das ein (Weiter-) Erzählen der Geschichten vom Subjekt und seiner Präsenz verlangt.