See und Himmel als Urelemente in Platens Sonette aus Venedig
DOI:
https://doi.org/10.15291/gem.5019Abstract
Venedig kann als Ort zwischen Land und Wasser gedachte werden, doch die Land-Wasser-Oberfläche Venedigs ist ein Kunstwerk, keine Erde. Der Bau dieser auf Stelzen errichteten Fläche begann während der Zeit der Völkerwanderungen im fünften und sechsten Jahrhundert durch mutige Flüchtlinge vom Festland, die schließlich eine über tausend Jahre währende Republik gründeten. August von Platen besuchte Venedig 27 Jahre nach der Kapitulation der Republik, als die Stadt unter österreichischer Besatzung stand. Sonette aus Venedig (1824) erschaffen eine ästhetische Fuge aus Meer und Himmel als Urelementen (mit wenigen, aber bemerkenswerten Bezügen zum Land), um Venedig als himmlische Aphrodite, die Personifizierung des vollkommenen Kunstwerks, darzustellen. Doch die Kunst vermittelt nicht mehr zwischen Menschen und Göttlichkeit, und die himmlische Schönheit scheint nur in Echos, Schatten und Träumen fortzuleben. Der Zyklus regt auch zum Nachdenken über das Bild der Flüchtlinge an, die nicht an den Strand gespült wurden, sondern vom Land aufs Meer flohen, um inmitten des barbarischen Einbruchs einen Weg zur Fortführung der Tradition zu finden.



