Nach Jerusalem! Strategien der Evokation von Raum und Reise in mittellateinischer, altfranzösischer und mittelhochdeutscher Kreuzzugslyrik

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DOI:

https://doi.org/10.15291/gem.5144

Abstract

Die mentale Vergegenwärtigung des irdischen Jerusalem ist fester Bestandteil mittelalterlicher Glaubenspraxis. Durch Gebets- und Meditationstechniken, die die imaginative Versetzung des eigenen Selbst an den Ort der Passion Christi implizieren, aber auch durch architektonische Nachbildungen der via dolorosa oder die Verbindung bestehender örtlicher Raumstrukturen mit der Jerusalemtopographie der Evangelien gewinnt die Heilige Stadt für Gläubige des Mittelalters eine unmittelbar erfahrene und erlebte Präsenz, die nur nachrangig auf realgeographischen Elementen fußt, vorrangig hingegen auf heilsgeschichtlichen Dimensionen und damit verbundenen Raumstrukturen. Genau gegenläufig funktioniert die Evokation Jerusalems in der Kreuzzugslyrik, die nicht die mentale Herbeiholung des fernen Orts ins Hier und Jetzt, sondern eine konkrete Reise in den Orient und die physische Versetzung des Gläubigen in eine geographisch konkrete Stadt impliziert und imaginativ erfahrbar machen möchte. Als zugleich real geographischer und literarischer Ort schöpft das so inszenierte Jerusalem seine Bedeutung indes aus demselben religiösen Bezugsrahmen wie die aus dem Glaubensvollzug bekannte imaginierte Stadt. Vor diesem Hintergrund befragt der Beitrag Lieder aus dem Umfeld des Fünften Kreuzzugs darauf, ob und wie sich die Verschränkung der mental vertrauten Glaubensstätte und des konkret aufgerufenen, unvertrauten geographischen Jerusalem in topographischen Strategien beobachten lässt, und wie die gedachte Bewegung im konkreten Raum lyrisch evoziert wird.

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Veröffentlicht

2026-06-25

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