Fegefeuer auf Erden
Jerusalem in Der Welt Lohn und Das Herzmäre Konrads von Würzburg
DOI:
https://doi.org/10.15291/gem.5146Abstract
Der vorliegende Beitrag untersucht die Darstellung Jerusalems als irdisches Fegefeuer in den Werken Das Herzmäre und Der Welt Lohn von Konrad von Würzburg. Während die bisherige Forschung vor allem die mittelalterliche Visionsliteratur und die eschatologische Gegenüberstellung des irdischen und des Himmlischen Jerusalems in den Blick nimmt, finden die Darstellungen Jerusalems in der mittelhochdeutschen Versepik und Kleinepik weniger Beachtung. Besonders in der Dichtung Konrads von Würzburg wird die Stadt mit einer Bußfahrt ins Heilige Land in Verbindung gebracht. Im Unterschied zur bisherigen Forschung wird in diesem Beitrag argumentiert, dass Jerusalem die Funktion eines irdischen Fegefeuers in Konrads Herzmäre und Der Welt Lohn hat, in dem Ritter Buße tun und bestraft werden, um dem Fegefeuer im Jenseits zu entgehen. Damit erhält die literarische Darstellung Jerusalems in der mittelalterlichen Literatur eine neue eschatologische Dimension, die weniger mit dem Paradies und vielmehr mit dem Fegefeuer assoziiert ist.



